SAP Logistics Management (LGM): komplexe Lagerlogistics einfach meistern
Der Mainstream Support für SAP LE-TRA läuft 2030 aus. Viele Unternehmen müssen sich daher aktuell nach einem Nachfolger umsehen. Bisher lautete die Standardlösung: SAP TM. Doch das System ist komplex. Mit SAP Logistics Management (LGM) liefert SAP jetzt eine deutlich kompaktere und in vielen Fällen ebenfalls überzeugende Alternative. Wir erklären, was SAP LGM auszeichnet, für welche Unternehmen die Anwendung sinnvoll sein kann und in welche Richtung die Roadmap zeigt.
Was ist SAP Logistics Management (LGM)?
SAP Logistics Management (LGM) ist eine SaaS-Lösung auf der SAP Business Technology Platform (BTP), die Lagerverwaltung und Transportplanung in einem System zusammenführt. Ab dem 3. Quartal 2026 soll sie auch als Stand-Alone-Anwendung für die Transportplanung eingesetzt werden können.
SAP LGM ist seit Frühjahr 2026 ausschließlich für Kunden von SAP Private Cloud und On-Premise-Systemen erhältlich.
Neue Chancen durch SAP LGM – diese Unternehmen profitieren
SAP LGM ist aus unserer Sicht eine vielversprechende Alternative für Unternehmen mit kleinen bis mittelgroßen Lagern, Satellitenstandorten und weniger komplexen Transportprozessen. Hier wird noch häufig mit individuellen IM-Lösungen, Excel-Listen oder Dienstleistern (3PL) gearbeitet, weil bestehende SAP-Werkzeuge zu komplex sind. Für diese Szenarien ist SAP LGM eine klare Verbesserung.
SAP entwickelt das Produkt aktuell mit hoher Geschwindigkeit weiter. Neue APIs und Prozessoptionen kommen teilweise im Wochenrhythmus hinzu.
Eine große Chance der Anwendung ist die geplante Stand-Alone-Fähigkeit der Transportfunktionen. Das bedeutet für Unternehmen: Sie können ihre Systeme so kombinieren, dass diese exakt den Anforderungen der Fachbereiche entsprechen. Wer beispielsweise eine ausgefeilte Lagerlogistik benötigt, kann diese mit SAP EWM umsetzen, aber Transporte gleichzeitig schlank und passgenau über das SAP LGM steuern.
Welche Lagerfunktionen bietet SAP LGM aktuell?
Für Unternehmen mit mittleren Anforderungen ist SAP LGM eine valide Alternative zu SAP TM. In der Lagerorganisation kann die Anwendung beim aktuellen Tempo der Weiterentwicklung für diese Unternehmen bereits ab Herbst 2026 auch eine ernstzunehmende Alternative zu SAP EWM sein. Denn dann sollen unter anderem drei zentrale Funktionen umgesetzt sein:
- Handling-Unit- & Chargenmanagement: Volle Integration von Handling Units (Verpacken im Wareneingang und im Lager) und Chargenführung.
- Produktionsintegration: Ab dem 3. Quartal 2026 wird die Produktionsversorgung mit Komponentenverbrauch und Wareneingang von gefertigten Materialien unterstützt.
- Moderne API-Strategie: SAP plant APIs für die Anlage und Quittierung von Lageraufgaben zu veröffentlichen. Das ermöglicht es, eigene Apps zu entwickeln oder Subsysteme sauber anzubinden.
Die Architektur von SAP LGM
Als Anwendung auf der SAP BTP folgt SAP LGM dem Prinzip des Clean Core, anders als klassische WM- oder TM-Szenarien. Die operativen Logistikprozesse werden gezielt ausgelagert.
Technisch bedeutet das zum Beispiel, dass ein Lagerort im S/4HANA „LGM-pflichtig“ gemacht wird. Lieferungen und logistische Prozesse für diesen Bereich laufen ausschließlich über das LGM. Wer bereits EWM- oder 3PL-Integrationen umgesetzt hat, wird viele Konzepte wiedererkennen.
Eine Besonderheit bei der Datenversorgung: Anders als in vielen klassischen SAP-Integrationen stößt S/4HANA die Daten nicht aktiv an. Stattdessen holt sich das LGM Stammdaten wie Produkte, Business Partner oder Bestellungen per Job aus dem ERP-System. Dieses Pull-Prinzip wirkt zunächst ungewohnt, passt aber sehr gut zur Cloud-Architektur des Systems.
Auch beim Customizing zeigt SAP neue Ansätze. Bestimmte organisatorische Einstellungen oder Mengeneinheiten werden aktuell per Excel-Upload gepflegt. Das wirkt auf den ersten Blick simpel, beschleunigt in frühen Projektphasen aber viele Prozesse deutlich.
Wie funktionieren Inbound- und Outbound-Prozesse im SAP LGM?
Sowohl der Einlagerungs- als auch der Warenausgangsprozess sind im System stringent und überraschend praxisnah organisiert.
Inbound: Fokus auf Durchgängigkeit
Im Inbound beginnt der Prozess in SAP LGM bereits bei der Bestellung: Das LGM repliziert die relevanten Daten aktiv aus dem S/4HANA-System und erzeugt daraus einen „Inbound Warehouse Request“, der funktional der klassischen Anlieferung entspricht. Anschließend erfolgen Wareneingang, Entladung und die direkte Rückmeldung an S/4HANA. Nutzer müssen also den Wareneingang nicht vorab direkt in S/4HANA buchen.
Neu integriert wurde außerdem eine kaufmännische Prüfung zur Bestätigung von Vollständigkeit und Unversehrtheit der Ware. Die eigentliche Einlagerung ist bisher recht simpel gestaltet: Lageraufgaben müssen manuell angelegt und quittiert werden. Daran wird beispielhaft klar: Das Produkt hat noch funktionale Lücken. Für einfache, kleine Lagerstrukturen ist der Funktionsumfang jedoch meist ausreichend – zumal die reduzierte Komplexität auch als Vorteil gesehen werden kann.
Outbound: Flexible Prozesslogik statt starrer Abläufe
Beim Warenausgang erwartet Nutzer ein innovatives Vorgehen. Das System arbeitet mit Prozessvarianten: Sobald eine Lieferung ins System kommt, teilt sich der Prozess auf:
- Warehouse Request für die Lageraktivitäten (Picken, Packen, Bereitstellen)
- Transportation Request für die Planung (Wer fährt wann wohin?)
Das System entscheidet basierend auf Regeln, die Unternehmen flexibel festlegen können, in welcher Reihenfolge der Prozess ausgeführt wird. Dabei berücksichtigt es mehr als 20 Kriterien wie Transportrouten, Gewicht oder Zielregion. Zwei Varianten sind möglich:
Prozessvariante A: Erst planen, dann picken
Der Spediteur muss erst bestätigen, dass er den LKW schickt. Dann beginnt der Prozess im Lager. So wird an der Rampe nicht unnötig Platz für Ware reserviert, die erst Tage später abtransportiert wird.
Prozessvariante B: Erst picken, dann zuordnen
Wenn ein Fahrer ohnehin jeden Tag zur gleichen Zeit kommt, kann der Warenausgang bereits vorbereitet werden. Die Zuordnung erfolgt, wenn der LKW kommt.
Das sogenannte Pickup / Delivery Document (PPD) bündelt mehrere Lieferungen und Handling Units zu einer Verladung und steuert damit den eigentlichen Versandprozess. Je nach gewählter Prozessvariante, verknüpft das LGM die Lieferung vor oder nach dem Lagerprozess mit dem PPD. Die flexible Trennung zwischen Planung und operativer Ausführung ist im SAP LGM durchdacht umgesetzt.
Versandoptimierung: SAP LGM mit der AEB Carrier Cloud integrieren
SAP LGM ist schlank, aber über Schnittstellen vielseitig erweiterbar. Damit der Versand nahtlos an den Warenausgang anschließt, lässt sich beispielsweise die Carrier Cloud von AEB anbinden. consolut hat hierzu ein Demo-Projekt umgesetzt. Mithilfe der Integration können zu versendende Pakete direkt aus dem LGM heraus weiterverarbeitet werden.
Nachdem Nutzer den Labeldruck in SAP LGM angestoßen haben, werden die Versandinformationen über die Schnittstelle automatisch an den ausgewählten Carrier übermittelt. Hierbei können Unternehmen aus mehr als 300 Speditionen und Paketdienstleistern wählen.
Fazit: SAP LGM als Baustein moderner Logistikarchitekturen
Für hochkomplexe Transportnetzwerke und internationale Logistikumgebungen ist SAP LGM kein Ersatz für SAP EWM oder SAP TM, sondern eine Ergänzung im SAP-Portfolio. Viele mittelständische Unternehmen erhalten mit SAP LGM jedoch eine echte Alternative zu den klassischen Lösungen: funktional ausreichend tief, architektonisch modern und ohne die Komplexität eines vollumfänglichen Enterprise‑Setups.
Dabei spiegelt LGM eine allgemeine Entwicklung der Unternehmens-IT wider: Die Reise geht weg von monolithischen One-Size-Fits-All-Lösungen hin zu modularen, passgenauen Architekturen. Als cloud-native Anwendung lässt sich LGM leicht in hybride oder reine Cloud-Infrastrukturen integrieren und bei Bedarf skalieren. Mittelständische Unternehmen sollten die Releases der nächsten Monate genau beobachten. Mit dem wachsenden Funktionsumfang lohnt sich ein Wechsel für immer mehr Organisationen – nicht nur mit Blick auf das Ende von SAP LE-TRA.
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