SAP-Schulungen: So gelingt nachhaltigdes Lernen im SAP-Umfeld
SAP-Trainings sind ein Schlüsselelement, wenn Unternehmen möchten, dass Mitarbeitende nach einem Projekt souverän mit neuen Prozessen, SAP Fiori Apps oder S/4HANA arbeiten. Wie aber gelingt nachhaltiger Wissenstransfer? Achtstündige Präsentationen ohne Praxisbezug sind zwar verbreitet, aber wenig effektiv. Unternehmen sollten Schulungen wählen, die Wissen gehirngerecht vermitteln und den technologischen Veränderungen Rechnung tragen.
Der Schulungsbedarf im SAP-Umfeld verändert sich
Mit SAP S/4HANA verändern sich nicht nur Oberflächen, sondern auch Arbeitsweisen. Viele Prozesse laufen heute völlig anders ab als in klassischen SAP-GUI-Umgebungen. Früher vermittelten SAP-Schulungen Mitarbeitenden neue Klickfolgen oder einzelne Transaktionen. Heute ist der Schulungsbedarf ein anderer.
Mitarbeitende müssen verstehen, welche Rolle sie im Prozess haben, wie Prozesse zusammenhängen, welche Auswirkungen ihre Arbeit auf andere Bereiche hat und wie sich Abläufe effizient steuern lassen. Sie müssen ein umfassendes Prozessverständnis aufbauen und sich auf dieser Basis sicher im System bewegen. Dieses Know-how zu vermitteln, ist anspruchsvoll und gelingt nur mit modernen didaktischen Trainingskonzepten.
Das zeichnet gehirngerechte Wissensvermittlung aus
Lange Theorieeinheiten und Seminare, die sich über mehrere Tage erstrecken, haben sich als wenig effektiv erwiesen. Teilnehmende scheitern am Transfer des Gelernten in den eigenen Arbeitsalltag und vergessen einen Großteil der Inhalte nach kurzer Zeit.
Moderne SAP-Trainings orientieren sich an aktuellen Erkenntnissen der Lernpsychologie. Sie vermitteln kontextbasiertes Wissen und bauen eine nachhaltige Anwendungskompetenz auf, weil sie fünf Grundprinzipien effektiven Lernens berücksichtigen.
Lernen im SAP-System stärkt Anwendungssicherheit
Neueste Forschung zeigt, dass das Training von IT-Systemen am effektivsten ist, wenn es im System nah an der praktischen Realität stattfindet. Die notwendige Theorie muss vermittelt werden. Lernende sollten aber nicht ständig zwischen Präsentationen und Anwendung wechseln müssen. Sonst steigt die mentale Belastung unnötig und neues Wissen wird schlechter aufgenommen.
Kurze Lernphasen statt stundenlanger Frontaltrainings
Unser Gehirn verarbeitet komplexe Inhalte am besten in kleinen, intensiven Einheiten mit regelmäßigen Wiederholungen. Die traditionellen Ganztagsseminare sind daher alles andere als ideal. Sie werden von Unternehmen aus Gewohnheit allerdings oft so angefordert und Konzepte mit Kurzeinheiten erhalten schlechtere Bewertungen, obwohl sie bessere Lernergebnisse liefern.
Kleine Lerngruppen fördern aktives Lernen
In großen Gruppen bleiben viele Teilnehmende passiv. Fragen werden seltener gestellt und individuelle Probleme gehen unter. Kleine Lerngruppen mit bis zu fünf Personen fördern dagegen den Austausch und die aktive Mitarbeit aller Beteiligten. Gerade bei komplexen SAP-Prozessen verbessert das den Lernerfolg erheblich.
Übungen und Reflexion sind wichtiger als Zuhören
Nachhaltiges Lernen braucht eine aktive kognitive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten. Moderne SAP-Schulungen schaffen daher bewusst Raum für Übungen, Diskussionen und Fehleranalysen. Sie integrieren Selbstlernphasen und Reflexionsfragen, damit Lernende ihren Fortschritt selbst erkennen. Diese Aspekte kommen in klassischen Schulungskonzepten oder reinen Testskript-Trainings meist zu kurz.
Wiederholungen sichern langfristigen Lernerfolg
Menschen merken sich neue Inhalte nicht langfristig nach einem einmaligen Eindruck. Erst nach mehrfachen Wiederholungen werden Informationen im Langzeitgedächtnis verankert. Außerdem spielt der Schlaf für das Lernen eine zentrale Rolle. Moderne SAP-Trainings sind daher häufig als Lernreihen aufgebaut, kurze Einheiten werden auf mehrere Wochen verteilt.
Hybrides Lernen: Die effektivste Form der Wissensvermittlung
Moderne SAP-Trainings sind im Idealfall hybrid organisiert. Indem sie digitale Selbstlernphasen mit persönlicher Wissensvermittlung, Online- mit Offline-Phasen, kombinieren, lassen sich die Prinzipien gehirngerechten Lernens am besten umsetzen.
Beispielhafter Ablauf eines SAP-Trainings
- Eine effektive Lernreise beginnt mit einem Präsenzseminar von zwei Stunden. Die Gruppe besteht auf maximal fünf Lernenden, die sich unter Anleitung durch das System bewegen und Fragen direkt stellen können.
- Im Anschluss werden für das Seminar entwickelte E-Learnings freigeschaltet, sodass die Teilnehmenden die Inhalte eigenständig vertiefen, wiederholen und Gelerntes in Simulationen umsetzen können.
- Lernende können ihren Fortschritt über Online-Quize selbst prüfen und Fragen in Online Q&A-Sessions stellen, die ein bis zwei Wochen nach dem Präsenztermin stattfinden.
- Gruppenübungen bis zum nächsten Präsenztermin fördern zudem den Austausch, die tiefere Verarbeitung der neuen Inhalte und vereinfachen den Praxistransfer.
Selbstgesteuertes Lernen vs. persönliche Wissensvermittlung
E-Learning-Plattformen schaffen zeitliche Flexibilität: Nutzer können Weiterbildung so trotz vieler beruflicher und privater Verpflichtungen in ihren Terminplan integrieren und in ihrem eigenen Tempo lernen. Reine selbstgesteuerte Wissensvermittlung ist dennoch nicht empfehlenswert. Denn Menschen lernen besser von Menschen. Studien zeigen, dass die persönliche Beziehung zum Trainer eine wichtige Rolle für den Lernerfolg spielt.
Fachliche Qualifikation und didaktische Kompetenz vorausgesetzt, vermittelt ein erfahrener Trainer Orientierung und Sicherheit, wie es ein rein digitales Self-Learning-Tool nicht bieten kann. Mitarbeitende erleben es zudem als Wertschätzung, wenn ihr Arbeitgeber Live-Trainings finanziert. Der menschliche Faktor greift nicht nur in Präsenz, sondern auch in Live-Online-Trainings. Als flexible und kosteneffiziente Ergänzung zu Präsenzterminen sind sie daher fester Bestandteil vieler hybrider Konzepte.
Welche Tools unterstützen SAP-Trainings?
Es ist sinnvoll, wenn Unternehmen ihre eigenen Lernplattformen aufbauen, um die fachliche Weiterbildung von Mitarbeitenden zu strukturieren, und Digital Adoption Platforms zu nutzen, um Lernen direkt im SAP-System zu integrieren. Drei Lösungen sind interessant:
SAP SuccessFactors
Die Plattform ist das Flaggschiff-Produkt, mit dem Unternehmen Lernpfade für verschiedene Nutzergruppen zentral organisieren und spezifische Trainings bereitstellen können. Vor allem bei umfassenden SAP-Transformationen lässt sich so der Überblick über die Qualifizierung von Mitarbeitenden behalten.
Userlane
Mit Userlane lassen sich interaktive In-App-Anleitungen direkt in SAP-Systeme implementieren. Mitarbeitende können so neue Abläufe schnell und sicher erlernen, ohne große Trainingshürden. Für die Einführung einfacher Prozesse und Fiori-Oberflächen reicht diese Unterstützung häufig aus.
SAP WalkMe
Die Plattform eignet sich besonders für komplexere Prozesse und größere SAP-Landschaften. Sie führt Mitarbeitende innerhalb von SAP schrittweise durch Prozesse. Zusätzlich analysiert sie, wie Nutzer mit SAP-Anwendungen arbeiten und kann auf dieser Basis Lerninhalte vorschlagen. Die Plattform kann Support- und Trainingsaufwände deutlich senken. Unternehmen müssen jedoch darauf achten, sie datenschutzkonform einzusetzen und Transparenz gegenüber Mitarbeitenden sicherzustellen.
SAP Enable Now
Die Lösung wurde lange zur Erstellung von digitalen Schulungsunterlagen genutzt. SAP integriert das SAP Autorentool jedoch zunehmend in WalkMe, das zu einer KI-First-Learning-Lösung modernisiert werden soll. Bestehende Inhalte aus SAP Enable Now können weiter genutzt und in die neue Plattform überführt werden.
SAP-Schulungen sind entscheidend für erfolgreiche Transformationsinitiativen
Angesichts der S/4HANA- und KI-Transformation ist der Schulungsbedarf von Unternehmen nicht nur deutlich gestiegen, die inhaltlichen Anforderungen haben sich auch deutlich verändert. Moderne Schulungen vermitteln ein umfassendes Prozessverständnis und Handlungssicherheit weit über einzelne Klickstrecken hinaus.
Damit der Wissenstransfer auch im Arbeitsalltag ankommt, sollten Unternehmen Schulungsanbieter nicht nur nach Inhalt auswählen, sondern vorab prüfen, ob sie bewährten Lernmethoden folgen. Nachhaltige SAP-Trainings setzen auf kurze Lernphasen, praktische Übungen direkt im System, Wiederholungen und eine enge Verbindung aus persönlicher Wissensvermittlung und digitalen Lernformaten.
Damit SAP-Transformationen gelingen, reicht es nicht, neue Software einzuführen. Es braucht Schulungen, damit Mitarbeitende die neuen Prozesse verstehen und die Veränderungen aktiv mittragen.
Autorin des Artikels
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